GESCHICHTE: DÍVČÍ LÁVKY
Ein fast hundertjähriges Gebäude, das bis auf die Grundmauern niederbrannte.
Nur ein Katzensprung vom Zentrum von Špindlerův Mlýn entfernt liegt einer der reizvollsten Orte des Elbtals – die Dívčí lávky.
Machen Sie einfach einen gemütlichen Spaziergang entlang der Elbe, der Sie über einen bequemen Waldweg bis zu der Stelle führt, an der die Elbe auf die Weiße Elbe trifft. Genau hier beginnt eine Geschichte, die mehr als hundert Jahre zurückreicht.
Nachdem Sie den Fluss überquert und ein kurzes Stück entlang des Weißen Labes gegangen sind, erreichen Sie die Dívčí lávky – einen Ort, der heute ruhig und unscheinbar wirkt, einst jedoch ein wichtiger Punkt auf der Landkarte des Riesengebirges war.
Die Geschichte der hiesigen Hütte reicht bis in die 60er Jahre des 19. Jahrhunderts zurück, als Graf Harrach sie errichten ließ. Ursprünglich diente sie als einfache Unterkunft für Arbeiter, die einen der ersten Wanderwege bauten, der durch das Labské-Tal in Richtung Labská-Hütte führte.
Später wurde aus dem kleinen Blockhaus ein Ort, an dem nicht nur Förster, sondern auch die ersten Bergbesucher eine Bleibe fanden. Das Schicksal der Hütte wurde jedoch auch von einer Tragödie geprägt – bei der verheerenden Überschwemmung im Jahr 1897 kam ihr Bewohner, der pensionierte Förster Antonín Sedláček, ums Leben.
Mit dem wachsenden Interesse am Tourismus nahm die Bedeutung der Dívčí lávky rasch zu. Aus dem ursprünglichen Unterstand wurde nach und nach eine Försterei und später ein Gasthaus, in dem sogar eine Eintrittsgebühr für den Zugang zum Labský důl erhoben wurde. Der Ort entwickelte sich zu einem wichtigen Ausgangspunkt für Ausflüge – sei es ins Tal der Weißen Elbe, in den Labský důl oder auf die Kämme des Riesengebirges.
Beliebt war es auch bei Gästen aus Špindlerův Mlýn, die hierher zu Nachmittagsspaziergängen aufbrachen. Als Belohnung erwartete sie nicht nur die Schönheit der umliegenden Natur, sondern auch der berühmte Kaffee und hausgemachte Kuchen.
Nach der Gründung der Tschechoslowakei erfuhr die Hütte eine Reihe von Veränderungen. Der ursprüngliche deutsche Name wich dem tschechischen, und es gab hier mehrere Pächter. Für kurze Zeit übernahm auch die Familie Erlebach, die seit langem mit dem Ort verbunden war, wieder die Verwaltung.
Das Schicksal der Hütte war jedoch schließlich im Januar 1940 besiegelt, als das fast hundertjährige Gebäude bis auf die Grundmauern niederbrannte. Trotz schneller Hilfe konnte fast nichts gerettet werden.
Heute findet man auf den Dívčí lávky die ursprüngliche Hütte nicht mehr, dennoch hat dieser Ort seinen Charme bewahrt. Er ist ein idealer Ausgangspunkt für weitere Wanderungen und ein Ort, an dem man einen Moment innehalten, dem Rauschen der Flüsse lauschen und sich die Geschichten vorstellen kann, die sich hier einst zugetragen haben.
Die Dívčí lávky bleiben somit ein stiller Zeuge der Geschichte des Riesengebirges – ein Ort, an dem Natur, Vergangenheit und Gegenwart aufeinandertreffen.
Quelle: Geschichte der Hütten im Riesengebirge