GESCHICHTE: MÄHRISCHE HÜTTE
Am ruhigen südöstlichen Hang der Mädchensteine, in einer Höhe von über tausend Metern, steht eine der malerischsten Hütten des Riesengebirges – die Moravská Hütte.
Heute ist sie ein beliebtes Ziel für Touristen und Liebhaber der Bergatmosphäre, doch ihre Geschichte reicht weit in die Vergangenheit zurück, in Zeiten, als die hiesigen Bergwiesen vor allem den Hirten und Heuerntern dienten.
Das Gebiet um die heutige Moravská bouda wurde bereits seit dem 17. Jahrhundert genutzt. Die ausgedehnten Bergwiesen boten ideale Bedingungen für die Sommerweide des Viehs und die Heutrocknung. Dennoch stand hier lange Zeit kein festes Gebäude. Der Grund war einfach – das Gebiet gehörte zu den Orten, um die langjährige Grenzstreitigkeiten geführt wurden.
Erst nach deren Beilegung entstanden auf den hiesigen Wiesen die ersten saisonalen Hirtenhütten. Noch im Jahr 1842 standen auf der weitläufigen Bergwiese unterhalb der Petrová-Hütte fünf einfache Hütten, die den Hirten und ihren Herden während der Sommermonate als Zufluchtsort dienten.
Bis heute bildet die Umgebung der Moravská bouda eine interessante Ansammlung von Berghütten. Hier finden wir beispielsweise die Novopacká bouda, die in den 1930er Jahren erbaut wurde, die historische Spindler-Hütte oder die ehemalige Zinecker-Hütte, heute bekannt als Vatra. Weiter unten im Tal stehen auch die Davidova-Hütte und die außerordentlich wertvolle Sedmidolí-Hütte, die bis heute ihr ursprüngliches Krkonoše-Aussehen mit dem typischen Walmdach bewahrt hat.
Die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts brachte ein neues Phänomen ins Riesengebirge – den Tourismus. Die ersten Besucher begannen, die Schönheit der Berglandschaft zu entdecken, und die örtlichen Bauern begriffen schnell, dass sie neben der Landwirtschaft auch Verpflegung und Übernachtungsmöglichkeiten anbieten konnten.
Der heutige tschechische Name mag etwas rätselhaft wirken. Mit Mähren hat dieser Ort nämlich nichts zu tun.
Der Ursprung des Namens geht auf die nahegelegene Davidova bouda zurück, nach der die gesamte Bergenklave auf Deutsch als Davidbauden bezeichnet wurde. Durch allmähliche Verballhornung des Namens entstand die Bezeichnung „Daftebaude“. Aus diesem Namen entwickelte sich nach dem Zweiten Weltkrieg der heutige Name „Moravská bouda“.
Während des Zweiten Weltkriegs erhielt die Hütte eine ganz andere Nutzung. Sie diente der deutschen Armee als Ausbildungszentrum, in dem junge Rekruten auf den Dienst unter den anspruchsvollen Bedingungen in den Bergen vorbereitet wurden.
Die Soldaten absolvierten hier ein intensives Skitraining an den steilen Hängen des Riesengebirges. Viele von ihnen stammten aus dem Flachland und hatten keinerlei Erfahrung im Skifahren. Die Bedingungen in den Bergen, die steilen Hänge und das raue Winterwetter stellten für sie eine echte Prüfung ihres Mutes und ihrer körperlichen Belastbarkeit dar.
Die Hütte diente damals als Unterkunft, als Stützpunkt für die Ausbildung und als Ort für militärische Übungen. So wurde sie Zeuge eines der dramatischsten Kapitel ihrer Geschichte.
Nach dem Krieg ging die Moravská bouda in tschechische Hände über und wurde vom staatlichen Betrieb „Restaurace a jídelny“ betrieben. Im Gegensatz zu vielen anderen Bergbauten wurde sie jedoch nur behutsam umgebaut, wodurch sie ihren ursprünglichen Charakter bewahrte.
Bis heute können Besucher hier eine Reihe historischer Elemente bewundern, die an die Zeit der Berghotels der Ersten Republik erinnern. Die größte Aufmerksamkeit zieht ein einzigartiger geschnitzter Holzleuchter aus dem Jahr 1932 auf sich. Er ist mit Motiven aus dem Leben im Riesengebirge, Figuren von Bergbewohnern und traditionellen Bergszenen verziert. Er gehört zu den interessantesten erhaltenen Einrichtungselementen seiner Art im gesamten Riesengebirge.
Die Moravská bouda ist heute ein idealer Zwischenstopp für alle, die die authentische Atmosphäre des alten Riesengebirges kennenlernen möchten. Sie ist umgeben von weitläufigen Bergwiesen, Ausblicken auf die umliegenden Bergrücken und einer Ruhe, die in der modernen Welt immer schwerer zu finden ist.
Ihre Geschichte ist die Geschichte von Berghirten, den ersten Touristen, Soldaten und Generationen von Hüttenwirten, die hier mehr als 150 Jahre lang das Leben aufrechterhalten haben. Gerade ihnen ist es zu verdanken, dass die Moravská bouda ihren einzigartigen Charme bewahrt hat und bis heute zu den interessantesten Bergbauten in der Umgebung von Špindlerův Mlýn zählt.
Quelle: Geschichte der Hütten im Riesengebirge