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GESCHICHTE: VRBATOVA BOUDA

Ein Ort, an dem Geschichte, Berge und die Geschichte zweier Freunde aufeinandertreffen.

Die Vrbatova-Hütte steht an einem der markantesten Orte im westlichen Riesengebirge.

Sie befindet sich auf der Gipfelschleife der Masaryk-Straße von Horní Mísečky zum Zlaté návrší, auf einer Höhe von etwa 1.400 Metern über dem Meeresspiegel. Heute ist sie ein beliebtes Ziel für Wanderer und Radfahrer sowie Ausgangspunkt für Touren entlang der Bergkämme. Ihre Geschichte reicht jedoch viel weiter zurück – und ist untrennbar mit der tragischen Geschichte von Bohumil Hanč und Václav Vrbata verbunden.

Václav Vrbata war Mitglied des Sokol-Vereins und ein Liebhaber der Berge. Am 24. März 1913 kam er, um seinen Freund Bohumil Hanč anzufeuern, der an einem internationalen 50-Kilometer-Meisterschaftsrennen teilnahm.

Das Rennen fand bei außergewöhnlich ungünstigen Wetterbedingungen statt. Ein heftiger Schneesturm, starker Wind und ein rapider Temperaturabfall schufen Bedingungen, die sich als verhängnisvoll erwiesen. Vrbata machte sich auf, um Hanč zu helfen, kam jedoch selbst in den Bergen ums Leben.

An ihre tragische Geschichte erinnert bis heute der Gedenkstein für Hanč und Vrbata, der unweit der heutigen Hütte steht. Er wurde 1925 errichtet und ist zu einem Symbol für Freundschaft, Aufopferungsbereitschaft und die Gefahren geworden, die das Riesengebirge bei ungünstigem Wetter bergen kann.

Gerade nach Václav Vrbata wurde später auch die Hütte auf dem Zlaté návrší benannt.

Die Vrbata-Hütte war dabei nicht das erste Bauwerk, das an dieser Stelle entstehen sollte.

In der Mitte des Straßenwendekreises befindet sich bis heute ein Steinblock, der im September 1936 als Grundstein für die geplante Švehla-Hütte hierher gebracht wurde.

Das Projekt war für seine Zeit wahrlich grandios. Es sah fast zweihundert Betten, zwei Restaurants für etwa 250 Gäste, ein eigenes Wasserkraftwerk an der Pančava, eine große Garage, einen Parkplatz, ein Postamt sowie eine Gendarmeriestation vor.

Das Vorhaben wurde jedoch letztendlich nicht verwirklicht. Der herannahende Krieg sowie der Bau von Grenzanlagen in der Umgebung von Zlaté návrší und Labská louka durchkreuzten die Pläne.

Die Natur des Riesengebirges gewann so durch historische Ereignisse einen etwas unerwarteten Verbündeten.


Im Vergleich zu vielen historischen Hütten im Riesengebirge ist die Vrbatova-Hütte ein echtes „Jüngstes Kind“.

Die Entscheidung über ihren Bau fiel erst in der zweiten Hälfte der 1950er Jahre. Der Hauptgrund war nicht der Tourismus, sondern vor allem die Notwendigkeit, eine hochwertige Station des Bergrettungsdienstes für das Gebiet des westlichen Riesengebirges zu errichten.

Der Bau erfolgte in den Jahren 1959–1962 im Rahmen der damaligen „Z“-Aktionen. Offiziell handelte es sich um „Verschönerungsmaßnahmen“, tatsächlich waren an solchen Bauvorhaben jedoch auch unbezahlte oder „freiwillige“ Arbeitsbrigaden maßgeblich beteiligt.

Die neue Hütte sollte in erster Linie als Hauptstützpunkt des Bergrettungsdienstes auf dem Bergkamm dienen. Gleichzeitig sollte sie den Touristen zumindest eine einfache Verpflegung bieten und den unansehnlichen Kiosk ersetzen, der bis dahin an der Endstation der Straße stand.


Erinnerungen an den Bau der Vrbatova Bouda zeigen, wie anspruchsvoll es damals war, ein solches Gebäude in einer bergigen Umgebung zu errichten.

Die Arbeiter und Freiwilligen wohnten in den nahegelegenen Jestřábí-Hütten. Sie fuhren morgens mit dem Bus aus Jilemnice zur Baustelle und kehrten am Ende der Arbeitswoche wieder hinunter nach Horní Mísečky zurück.

Die Planer Vladimír Šír und Jiří Bartoš stießen dabei gemeinsam mit dem Bauleiter Kovařík aus Jilemnice gleich zu Beginn auf eine etwas unerwartete Überraschung. Der Granit am Bauort war so stark verwittert, dass die Fundamente von Hand – mit Spitzhacken und Spaten – ausgehoben werden konnten. Das ausgehobene Material diente zudem als Sand für Mauerwerk und Beton.

Und dann gab es da noch ein weiteres Problem – das Dach.

Eine der Firmen verwendete beim Verlegen der Blechabdeckung ein Meter breite Bleche, obwohl im Projekt andere Maße vorgesehen waren. Die Bauarbeiter bemerkten den Fehler erst im Nachhinein, und es wurde beschlossen, dass das Dach neu gemacht werden muss.

Doch bevor sie dazu kommen konnten, griff Krakonoš selbst ein.

Ein starker Windstoß rollte das Dach einfach zusammen und legte es neben die Hütte ab.

Das Riesengebirge hat den Abbau diesmal also schneller erledigt als die Baufirma.


Heute können wir uns vielleicht kaum noch vorstellen, dass man früher mit dem Auto oder Bus praktisch bis zur Vrbatova-Hütte fahren konnte.

Vor allem in den 70er Jahren waren die umliegenden Parkplätze voller Autos. Touristen aus verschiedenen Teilen der damaligen Tschechoslowakei sowie aus der Deutschen Demokratischen Republik kamen hierher in die Berge. Hunderte von Wartburgs und Trabants fuhren zum Zlaté návrší.

Heute ist die Situation natürlich ganz anders. Aus Naturschutzgründen ist die Zufahrt für Kraftfahrzeuge hier verboten, und die Vrbatova Bouda ist vor allem ein Ziel für Wanderer und Radfahrer geblieben.


Auch aus sportlicher Sicht hat die Vrbatova Bouda eine interessante Geschichte. Mehrmals war sie Etappenziel des legendären Friedensrennens, das zu den bedeutendsten Radrennen seiner Zeit gehörte.

Der Anstieg zum Zlaté návrší gilt übrigens bis heute als einer der anspruchsvollsten Straßenanstiege in Tschechien. Für Radfahrer stellt er eine echte Herausforderung dar – und zugleich eine Belohnung in Form der Berglandschaft und der Ausblicke, die sich nach der Bewältigung des Anstiegs eröffnen.

Die Vrbatova-Hütte bietet heute vor allem eine Gelegenheit für eine kleine Stärkung und ist für viele Besucher ein naheliegender Ausgangspunkt, von dem aus sie ihre Wanderung entlang der Kämme des Riesengebirges fortsetzen.

Von der Hütte aus können Sie beispielsweise in Richtung Mohyla Hanče und Vrbata, zur Quelle der Elbe, zur Labská-Hütte oder zum Pančavský-Wasserfall aufbrechen. Die Kammwege führen Sie auch in Richtung Harrachov und weiter über die Grenze in den polnischen Teil des Riesengebirges.

Für weniger geübte Wanderer ist der Rundweg über die Elbequelle, die Labská-Hütte und den Pančavský-Wasserfall eine gute Wahl. Erfahrenere Wanderer können weiter über die Bergrücken wandern und eine der schönsten Bergregionen des Riesengebirges genießen.

 

Die Vrbatova-Hütte ist somit nicht nur ein Ort, an dem man sich stärken kann. Sie ist eine Erinnerung an die Geschichte des Riesengebirges, an die Geschichte zweier Freunde und an eine Zeit, in der die Berge unter ganz anderen Bedingungen als heute bezwungen wurden.

Und vielleicht lohnt es sich gerade deshalb, bei einem Besuch des Zlaté návrší einen Moment innezuhalten und sich bewusst zu machen, wie viele Geschichten sich in diesen Bergen abgespielt haben.

 

Quelle: Geschichte der Hütten im Riesengebirge

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