GESCHICHTE: KLÍNOVÁ BOUDA
Eine Hütte, die nicht mehr steht, doch ihre Geschichte lebt in der Landschaft weiter.
An den Hängen oberhalb von Svatý Petr, hoch zwischen der Zadní Planina und dem Berg Stoh, stand einst die Klínová-Hütte – ein Ort, der Zeuge harter Arbeit, der Entwicklung der Bergwirtschaft sowie dramatischer Ereignisse war, die sich unauslöschlich in die Geschichte des Riesengebirges eingeschrieben haben.
Die Wurzeln dieses Ortes reichen bis in die erste Hälfte des 16. Jahrhunderts zurück, als dank der Aktivitäten des Bergbauverwalters Kryštof von Gendorf im zentralen Riesengebirge intensiv mit dem Abbau von Eisen und anderen Metallen begonnen wurde. Ein bedeutendes Zentrum des Bergbaus war auch Svatý Petr, von wo aus das Erz auf dem Rücken der Träger bis nach Dolní Dvůr zur Weiterverarbeitung transportiert wurde.
Eine der Hauptrouten führte über die Hänge des Stoh und der Zadní Planina – und genau an ihrem höchsten Punkt entstand ein einfacher Holzunterstand. Hier ruhten sich die Träger aus, suchten Schutz vor dem Unwetter und sammelten Kräfte für den weiteren Weg. Im Laufe der Zeit entwickelte sich aus diesem bescheidenen Zufluchtsort eine echte Berghütte.
Der Standort wurde nicht zufällig gewählt. Er bot Zugang zu einer Wasserquelle und gleichzeitig relativen Schutz vor den rauen Nordwinden. Für die Verhältnisse im Riesengebirge handelte es sich um eine recht günstige Lage – mit einer höheren Anzahl an Sonnentagen und weniger Stürmen.
Die Herkunft des Namens „Klínová bouda“ ist nicht ganz eindeutig. Eine Theorie besagt, dass die Träger hier ihre Arbeitsgeräte – die Keile – reparierten. Diese Vorstellung ist zwar romantisch, aber wenig wahrscheinlich, da sie eine zusätzliche unnötige Belastung beim Tragen des schweren Erzes bedeutet hätte.
Eine wahrscheinlichere Erklärung ergibt sich aus der Form der Bergenklave selbst, die aus der Ferne betrachtet an einen Keil erinnert. Und genau nach dieser charakteristischen Form erhielt die Hütte sowie die gesamte Umgebung ihren Namen.
Nach dem Niedergang des Bergbaus, insbesondere während des Dreißigjährigen Krieges, konzentrierte sich das Leben in den Klínovkách auf die traditionelle Bergwirtschaft. Im 17. Jahrhundert entstand hier eine ganze Gruppe von Hütten, bekannt als Klínové Boudy (Keilbauden).
Die Einheimischen lebten vor allem von der Viehzucht und der Arbeit im Wald. Das Leben war hart und die tägliche Arbeit anstrengend, dennoch entstanden hier zahlreiche Familien. Die Kinder halfen im Haushalt mit, weshalb ihr Schulbesuch oft unregelmäßig war.
Im Laufe der Zeit wurde auch hier der Bedarf an Bildung deutlich. Der erste „Lehrer“ war ein ehemaliger Soldat, der die einzelnen Hütten abklapperte und den Kindern die Grundlagen des Lesens, Schreibens und Rechnens beibrachte. Der Unterricht fand direkt in den Wohnräumen statt, und die Bezahlung war eher symbolisch.
Erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts entstand in der Enklave eine richtige Schule. Bis heute erinnert ein Gebäude namens „Kantorka“ daran, das zwar anderen Zwecken dient, aber ein Stück dieser Geschichte in sich trägt.
Um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert begann in Klínové Boudy auch der Sport eine Rolle zu spielen. Im Jahr 1902 fand hier der Start eines bedeutenden Skirennens in Richtung Vrchlabí statt. Einige Jahre später entstand hier auch eine Skisprungschanze, von der aus bis zu 30 Meter gesprungen wurde.
Der Ort wurde so zu einem wichtigen Meilenstein in der Geschichte des Skisports im Riesengebirge.
Die Klínová Bouda selbst entwickelte sich Ende des 19. Jahrhunderts zu einem beliebten Berggasthaus mit mehreren beheizten Räumen. Ihre Geschichte war jedoch von Bränden und dramatischen Ereignissen geprägt.
Nach einem Brand im Jahr 1912 wurde sie schnell wieder aufgebaut und in den folgenden Jahren mehrmals umgebaut. Ihre endgültige Gestalt entstand schrittweise zwischen 1920 und 1940.
Der Zweite Weltkrieg brachte tragische Momente mit sich – der damalige Besitzer Johann Braun wurde direkt vor der Hütte ohne Gerichtsverfahren erschossen.
Das Schicksal der Klínová bouda fand am 22. Februar 1970 seinen endgültigen Abschluss. Während eines Skikurses kam es hier zu einer Explosion des Dieselaggregats, das die Gebäude mit Strom versorgte. Das brennende Dieselöl breitete sich schnell in der Holzkonstruktion aus, und innerhalb von nur zwei Stunden war die Hütte vollständig zerstört.
Aufgrund der schwierigen Erreichbarkeit des Geländes und des Mangels an Technik war es nicht möglich, das Feuer wirksam zu löschen. Kurz nach Mittag stürzten die letzten Mauern ein und es blieb nur eine Brandstätte zurück.
Heute steht die Klínová-Hütte nicht mehr, doch ihre Geschichte lebt in der Landschaft weiter. Wiesen, Wege und die umliegenden Berge erinnern an die Zeit, als die Menschen hier hart arbeiteten, ihre Häuser bauten und die Geschichte des Riesengebirges schrieben.
Quelle: Geschichte der Hütten im Riesengebirge