Nach mehr als anderthalb Jahrhunderten kehrt der Wolf wieder in die tschechische Landschaft zurück.
Das Riesengebirge und seine Umgebung gehören heute zu den Regionen, in denen sich Wölfe wieder dauerhaft ansiedeln. Nach unseren Schätzungen gibt es im Gebiet des KRNAP 2–3 Wolfsreviere mit einer geschätzten Anzahl von mindestens 11 Tieren. In beiden bekannten Revieren kam es im vergangenen Wolfsjahr (d. h. vom 1. Mai 2025 bis zum 30. April 2026) zu einer erfolgreichen Fortpflanzung.
Die Verwaltung des KRNAP führt gemeinsam mit der Mendel-Universität in Brünn ein ganzjähriges Monitoring der Wolfspopulation durch, das den Einsatz von Fotofallen, die Entnahme genetischer Proben, regelmäßige Transekte und Begehungen umfasst. In der zweiten Februarhälfte organisierte die Verwaltung des KRNAP die zweite Ausgabe der winterlichen Kartierung von Raubtieren, die auch von guten Schneeverhältnissen begünstigt wurde. Insgesamt 50 Mitarbeiter (Ranger, Förster, Fachkräfte) kartierten gemeinsam an einem Tag insgesamt 400 km auf 39 Routen. Es gelang, 35 Anzeichen für den Aufenthalt des Grauwolfs zu erfassen (Kot unterschiedlichen Alters, Spuren, Urin, gerissene Beute). Die Winterkartierung bestätigte erneut die Schätzung von 2–3 Rudeln im Gebiet des KRNAP, und anhand der Anzahl der gefundenen Fährten konnten an diesem Tag acht Individuen aufgespürt werden. Die Kartierung erfolgte in Zusammenarbeit mit dem Nationalpark Karkonosze.
Obwohl die Rückkehr des Wolfes bedeutende Vorteile für das Gleichgewicht in der tschechischen Landschaft mit sich bringt, birgt sie auch zahlreiche Herausforderungen. Im Jahr 2025 wurden im Riesengebirge 53 gemeldete Angriffe auf Nutztiere verzeichnet. Die Hauptwelle der Angriffe setzte gerade im Juni ein und ließ im September nach. Insgesamt waren 27 Landwirte betroffen, knapp 50 % der Schäden entfielen auf vier von ihnen. Die Verwaltung des Nationalparks Riesengebirge (KRNAP) bemüht sich weiterhin intensiv um die Aufklärung und Zusammenarbeit mit den Nutztierhaltern. In Absprache mit den Landwirten richten wir die Überwachung des Wolfs auch auf Orte aus, an denen Angriffe stattfinden, und beraten sie hinsichtlich der Qualität der Umzäunungen. Die Tierhalter erhalten Informationen über aktuelle Schadensfälle, geeignete Präventionsmaßnahmen, Fördermittel für deren Anschaffung, das System der Schadensersatzleistungen für durch Wölfe getötete Nutztiere sowie über Möglichkeiten der Entschädigung für Beeinträchtigungen der Weidewirtschaft infolge des Vorkommens von Wölfen. Die Verwaltung des KRNAP bietet weiterhin die Möglichkeit, vorübergehend Netze, Stromquellen oder zusätzliche Elemente zur Sicherung von Weiden (sog. Abschreckungsvorrichtungen – Fladry) auszuleihen.
Den Nutztierhaltern empfiehlt das KRNAP insbesondere, die Tiere nachts in gesicherte Bereiche zu treiben, Hütehunde einzusetzen und die Herden regelmäßig zu überwachen.
Die Verwaltung des KRNAP widmet gemeinsam mit der MENDELU und der Naturschutzagentur auch der Aufklärung der Öffentlichkeit große Aufmerksamkeit. Es finden Fachschulungen für Mitarbeiter, Seminare für Landwirte, Vorträge für die Öffentlichkeit, Schulen und Kindergärten sowie weitere Bildungsmaßnahmen statt. Ziel ist es, das Zusammenleben von Mensch und Wolf zu fördern und gleichzeitig nach Wegen zu suchen, wie das Leben der Landwirte in Gebieten, in denen dieses Raubtier vorkommt, erleichtert werden kann.
Für Besucher des Riesengebirges stellt der Wolf keine Bedrohung dar. Bei einer (äußerst seltenen) Begegnung zwischen Mensch und Wolf ist es dennoch ratsam, vorsichtig zu sein. Bei einer nahen Begegnung mit einem Wolf empfiehlt es sich, das Tier durch lautes Schreien, Lärm oder das Werfen kleiner Gegenstände in seine Richtung zu verscheuchen und anschließend die Verwaltung des KRNAP zu informieren.
Die Öffentlichkeit sollte Hunde bei Ausflügen in die Natur an der Leine führen, und zwar nicht nur im Hinblick auf die Sicherheit der Hunde selbst, sondern auch zum Schutz aller Wild- und Nutztiere. Der KRNAP bittet Besucher, ihre Hunde auch in der Nähe von Weiden an der Leine zu führen, auch im Hinblick auf Hütehunde, die mit frei herumlaufenden Hunden in Konflikt geraten oder bei der Arbeit oder beim Ausruhen gestört werden könnten.
KRNAP fordert die Besucher nachdrücklich auf, nicht zu versuchen, Wölfe zu füttern oder ihnen in der freien Natur potenzielle Nahrung oder Essensreste zu hinterlassen. Grundstückseigentümer, Hüttenbesitzer und Ferienhausbesitzer sollten keine Essensreste im Freien liegen lassen. Die Wölfe daran zu gewöhnen, dass der Mensch eine Quelle für leichtes Futter ist, ist das Schlimmste, was wir den Wölfen und unserem Zusammenleben antun können.
Der Wolf hat seinen Platz in der Natur und in unserer Kultur. Er weckt Respekt und Bewunderung, manchmal aber auch Ängste. Die Menschen haben ihn gnadenlos verfolgt, nun kehrt er nach und nach zu uns zurück und erfüllt seine Rolle als Spitzenprädator. Erfahrungen aus Europa und aus der Tschechischen Republik zeigen bereits, dass es möglich ist, die Landschaft so zu bewirtschaften, dass dort gleichzeitig wilde Raubtiere leben können.
Die Rückkehr des Wolfes ins Riesengebirge stellt einen bedeutenden natürlichen Prozess dar und ist ein Beweis dafür, dass die tschechische Landschaft auch großen Raubtieren wieder Lebensraum bieten kann. Die Zukunft dieser Art wird vor allem von der Fähigkeit abhängen, ein Gleichgewicht zwischen Naturschutz und den Bedürfnissen der Menschen zu finden, die in diesen Gebieten leben und wirtschaften.
Quelle: Pressemitteilung KRNAP