GESCHICHTE: DIE ALTE ERLEBACH-HÜTTE
Ihre Geschichte begann bereits im Jahr 1784, als an den Hängen unterhalb des Malý Šišák die erste Berghütte im Gebiet des heutigen Špindlerovy Bude entstand.
Nur wenige Orte im Riesengebirge blicken auf eine so reiche Geschichte zurück wie die Alte Erlebach-Hütte. Ihre Geschichte begann bereits im Jahr 1784, als an den Hängen unterhalb des Malý Šišák die erste Berghütte im Gebiet des heutigen Špindlerové Bude entstand. Fast zweihundert Jahre lang diente sie Hirten, Bergbewohnern und Touristen und wurde zu einem der Symbole des Lebens auf den Kämmen des Riesengebirges.
Das Gebäude wurde 1784 von Ignaz Hollmann als einfache Berghütte errichtet, die in erster Linie für Hirten und ihr Vieh bestimmt war. In den Sommermonaten nutzten die Pächter hier die umliegenden Bergwiesen, ernteten Heu und kümmerten sich um die Herden. Die Hütte trug die Hausnummer 109, die sie bis zu ihrem Untergang behielt.
Über mehr als hundert Jahre hinweg wechselten sich ausschließlich Pächter aus dem Geschlecht der Hollmanns ab. Erst im Jahr 1885 kam es zu einer bedeutenden Veränderung.
Am 12. Januar 1885 kaufte Franz Erlebach, gebürtig aus St. Peter und einer der angesehensten Bergführer seiner Zeit, die Hütte.
Bis dahin war er als Verwalter der Hütte „U Sněžných jam“ tätig, wo er nicht nur für den Betrieb der Hütte, sondern auch für die damalige Wetterstation verantwortlich war. Er kannte das Riesengebirge wie seine Westentasche und wurde dank seiner Erfahrung zu einem gefragten Bergführer. Zusammen mit Johann Kirchschlager gehörte er zu den besten Bergführern auf der tschechischen Seite des Riesengebirges und begleitete auch den bekannten deutschen Schriftsteller Berthold Lessenthine, den Autor eines der bedeutendsten Bücher über das winterliche Riesengebirge.
Franz Erlebach war zudem ein geschickter Handwerker – er stellte leichte Holzschneeschuhe her, die in fast allen Berghütten verkauft wurden.
Gerade Franz Erlebach verwandelte die ursprüngliche Wirtschafts-Hütte in einen Ort, an dem Touristen Rast machen konnten. Er bot ihnen einfache Verpflegung und Übernachtungsmöglichkeiten an und legte damit den Grundstein für den späteren Bergtourismus in diesem Teil des Riesengebirges.
Der Name „Erlebachova bouda“ tauchte erst vor dem Ersten Weltkrieg auf Postkarten auf. In den 1920er Jahren entstand dann neben dem ursprünglichen Gebäude ein neues Haus mit dem Namen „Nová Erlebachova bouda“. Um die beiden Gebäude voneinander zu unterscheiden, begann man, das ältere Gebäude „Stará Erlebachova bouda“ zu nennen.
Die ursprüngliche Hütte war ein wunderschönes Beispiel für die traditionelle Volksarchitektur des Riesengebirges.
Das Blockhaus hatte Abmessungen von etwa 8 × 14 Metern, ein Schindeldach und eine einfache Raumaufteilung. Vom Vorraum aus gelangte man sowohl in den Wohnraum als auch in den Stall. Das Herzstück des Innenraums bildete ein großer Kachelofen, um den herum eine Bank verlief. Auch Butterfässer, Gefäße zur Milchverarbeitung und die typische Holzausstattung von Berghütten fehlten nicht.
Nach einem umfassenden Umbau in den 1920er Jahren kamen Gästezimmer sowie ein neues Restaurant hinzu. Die Hütte bot Platz für dreizehn Gäste in Zimmern und weitere zwanzig Plätze in einem einfachen Gemeinschaftsschlafsaal.
Das Leben auf der Erlebach-Hütte richtete sich über Generationen hinweg nach dem Rhythmus der Berge.
Die Wirte hielten Vieh, bewirtschafteten die umliegenden Wiesen und bereiteten Heu für die langen Wintermonate vor. Das Wasser aus dem Gebirgsbach diente nicht nur zur Kühlung der Milch, sondern auch zur ausgeklügelten Bewässerung der Wiesen. Das Heu wurde von Hand mit kurzen Bergsensen gemäht, in Planen auf den Heuboden getragen und das Brennholz mehrere Jahre lang zum Trocknen gelagert.
Gerade diese Selbstversorgung war für die Bergwirtschaft absolut unverzichtbar.
Der Zweite Weltkrieg traf auch die Erlebach-Hütte. Ihre damaligen Verwalter mussten ins tschechische Hinterland ziehen, und nach dem Krieg änderten sich die Eigentumsverhältnisse.
Nach dem kommunistischen Staatsstreich wurde die Hütte nach und nach den staatlichen Wirtschaftsplänen unterworfen, und im Jahr 1961 enteignete der Staat sie den ursprünglichen Eigentümern. Das Objekt wurde anschließend vom Außenhandelsunternehmen Centrotex übernommen.
Dennoch führte František Kukačka-Erlebach, der Adoptivsohn von Karolína Erbenová, die die Hütte von der Familie Erlebach übernommen hatte, die Verwaltung noch einige Jahre lang fort.
In den 70er Jahren war der bauliche Zustand des ursprünglichen Gebäudes so schlecht, dass es als untauglich eingestuft wurde. Eine Sanierung fand letztendlich nicht statt, und 1978 wurde der Abriss beschlossen.
An ihrer Stelle entstand eine neue Ferienanlage, aus der sich nach und nach der heute bekannte Hotelkomplex „Erlebachova bouda“ entwickelte.
Auch wenn das ursprüngliche Blockhaus nicht mehr existiert, bleibt sein Erbe im Riesengebirge erhalten. Die Geschichte der „Alte Erlebachova Bouda“ erinnert an eine Zeit, in der Berghütten nicht nur Raststätten für Touristen waren, sondern vor allem das Zuhause von Menschen, die es schafften, unter den rauen Bedingungen der Berge zu leben und eine einzigartige Kultur der Riesengebirgskämme schufen.
Heute kommen Besucher hierher, um die wunderschönen Ausblicke, die Ruhe und die Bergatmosphäre zu genießen. Doch kaum jemand ahnt, dass sich gerade hier eine der interessantesten Geschichten der Berghüttenkultur im Riesengebirge abgespielt hat.
Quelle: Geschichte der Hütten im Riesengebirge