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GESCHICHTE: JELENÍ BOUDY

Eine Berg-Enklave mit einer Geschichte, die über Generationen hinweg geschrieben wurde.

Nur etwa drei Kilometer Luftlinie von Špindlerův Mlýn entfernt, an den Südhängen unterhalb des Malý Šišák, erstreckt sich ein einzigartiger Ort mit einer langen Geschichte – Jelení boudy.

Diese Berg-Enklave, die durch einen schmalen Waldstreifen entlang des Černý-Baches geteilt wird, gehört zu den ältesten besiedelten Orten ihrer Art im Riesengebirge und bewahrt bis heute die authentische Atmosphäre der Berge.


Die Entstehung von Jelení boudy reicht bis in den Beginn des 18. Jahrhunderts zurück, als das Riesengebirge zu einer wichtigen Holzquelle für die sich entwickelnde Eisenindustrie wurde. Gerade die Holzgewinnung für die Hütten in Vrchlabí und andere herrschaftliche Gutsbetriebe führte zur Entstehung der ersten Bergsiedlungen.

Zu den ersten Siedlern gehörte die Familie Adolf, die aus den österreichischen Alpen ins Riesengebirge kam. Ihr Name verbreitete sich nach und nach in weitere Berggebiete und wurde zu einem der häufigsten in der Region. Diese Holzfäller und Bauern legten den Grundstein für das Leben unter rauen Bedingungen, wo man sich vor allem auf die eigenen Kräfte verlassen musste.


Der ursprüngliche Name „Leierbauden“ wirft bis heute Fragen auf. Eine der am häufigsten genannten Theorien hat fast märchenhaften Charakter – angeblich lebte hier ein Siedler, der einen Leierkasten besaß und damit die vorbeiziehenden Pilger auf dem alten Handelsweg zur tschechisch-schlesischen Grenze unterhielt.

Der heutige Name „Jelení boudy“ (Hirschhütte) verweist hingegen auf die Tradition, im Herbst während der Brunftzeit Hirsche zu beobachten. Gerade dies war für die Besucher schon immer ein starkes Erlebnis und wurde zum Symbol dieses Ortes.

 

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts standen in Jelení boudy etwa sieben Gebäude; bis zum Jahr 1910 stieg ihre Zahl auf zehn, und die Siedlung zählte rund siebzig Einwohner. Nach und nach pendelte sich die Zahl bei etwa dreizehn Gebäuden ein.

Das Leben hier war nicht einfach. Die Bewohner lebten hauptsächlich von der Arbeit im Wald und der Viehzucht. Obwohl sie sich in großer Höhe befanden, gelang es ihnen dank der Südlage der Hänge, auch Getreide wie Hafer, Kartoffeln, Rüben oder Kohl anzubauen. Jedes Stück Land wurde sorgfältig genutzt.

Neben der ehrlichen Arbeit gab es in den Bergen jedoch auch weniger offizielle Einkommensquellen – einige Bewohner verdienten sich etwas dazu, indem sie Waren über die nahegelegene Grenze schmuggelten. Die rauen Bedingungen und die begrenzten Lebensgrundlagen führten auch dazu, dass ein Teil der Familien nach und nach in die Industriegebiete abwanderte, um ein besseres Leben zu suchen.


Eines der ältesten Gebäude war das Anwesen Nr. 102, das sogar als Schulraum diente. Im Jahr 1890 wurde es jedoch durch einen Blitzschlag und den darauf folgenden Brand zerstört. Anschließend wurde es wieder aufgebaut, diesmal aus Stein.

Ein bedeutendes Gebäude in der Enklave war auch die Jagdhütte, die Graf Morzin im Jahr 1850 für das Revier Sedmidolí errichten ließ. Auch diese fiel später einem Brand zum Opfer, wurde jedoch wieder aufgebaut und dient bis heute.

Nach und nach kamen weitere Gebäude hinzu – ein Gasthaus, Wohnhäuser sowie Wirtschaftsgebäude. So entwickelte sich die Enklave zu einer kleinen, autarken Berggemeinschaft.


Mit dem wachsenden Interesse am Riesengebirge zog Jelení boudy auch die ersten Touristen an. Bereits 1876 entstand hier ein Gasthaus, das zu einer wichtigen Anlaufstelle für Besucher wurde.

Seine Geschichte war voller Wendungen – die Besitzer wechselten häufig und die Qualität der Dienstleistungen schwankte. Ein bedeutender Wendepunkt kam erst mit der Familie Hollmann, der es gelang, dem Ort sein Ansehen zurückzugeben und ihn an die wachsenden Ansprüche der Touristen anzupassen. Das Hotel wurde modernisiert, bot Zentralheizung und Dutzende von Betten.

Im Jahr 1917 wurde das Gebäude jedoch vom Blitz getroffen und durch den darauf folgenden Brand fast vollständig zerstört. Dennoch wurde es zumindest provisorisch wiederhergestellt und blieb das Wahrzeichen der gesamten Region.


Eine grundlegende Veränderung brachte das Jahr 1921, als die Straße von Špindlerův Mlýn in Richtung Špindlerova Bouda fertiggestellt wurde. Dadurch wurde das Gebiet viel besser erreichbar und der Tourismus begann rasch zu wachsen. Es wurde sogar eine Buslinie eingerichtet, deren Haltestelle sich in der Nähe der Hütte befand.


Das Leben in den Jelení boudy hatte auch eine schulische Seite. Die Kinder besuchten zunächst die Schule in der Špindlerova bouda, später entstand direkt in der Enklave eine Schulfiliale. Ein Lehrer kam regelmäßig hierher und unterrichtete die Kinder aus den umliegenden Hütten.

In den turbulenten Zeiten des 20. Jahrhunderts wurde der Ort auch zu einem strategischen Punkt – vor und nach dem Zweiten Weltkrieg war hier eine Einheit der tschechoslowakischen Armee stationiert, die den Grenzschutz sicherstellte.


Nach dem Zweiten Weltkrieg kam es zu einer Umbenennung der Hütten sowie zu Änderungen in den Eigentumsverhältnissen. Der Tourismus wurde nach und nach wiederbelebt, und der Ort diente fortan vor allem der Erholung. Eine bedeutende Persönlichkeit der Nachkriegszeit war Josef Klapka, dem es gelang, das Hotelgewerbe mit der Landwirtschaft zu verbinden.

 

In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts änderte sich das Dienstleistungsniveau je nach den jeweiligen Betreibern, dennoch haben die Jelení boudy ihren unverwechselbaren Charakter bewahrt.


Heute sind die Jelení boudy nicht nur ein ruhiges Ausflugsziel für Touristen, sondern vor allem eine lebendige Erinnerung an das Bergleben, wie es hier jahrhundertelang stattfand. Jede Wiese, jedes Gebäude und jeder Weg erzählt die Geschichte von Menschen, die es unter rauen Bedingungen nicht nur geschafft haben zu überleben, sondern eine funktionierende und eigenständige Gemeinschaft zu schaffen.

 

Quelle: Geschichte der Hütten im Riesengebirge

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